Till Schott-Mehrings 

Hochschule des Bundes


Aktuelle Hinweise



2020 / 2021


Brexit 

FreizügG/EU 

Pass- und Ausweissicherheit 

EU-Waffenrichtline




Mit Stand vom 01.01.2021 sowie zum Teil bereits vorher im November und Dezember 2020 sind vor allem im Zusammenhang mit dem "Brexit" Neuregelungen eingetreten. 


An dieser Stelle finden Sie einen Überblick über fächerübergreifende aktuelle Änderungen der letzten Zeit. Aktuelle Hinweise zu einzelnen Sach- und Unterrichtsthemen sind auch auf den jeweiligen Seiten platziert.




1. EU-Austritt des Vereinigten Königreichs

Großbritannien und Nordirland ("Brexit")


Im Zusammenhang mit dem Unionsaustritt sind die nachfolgend genannten  Rechtsakte erlassen worden. Kurzzusammenfassung: Britische Staatsangehörige unterliegen § 16 FreizügG/EU, soweit Rechte aus dem Austrittsabkommen bestehen, ansonsten sind sie als Drittstaatsangehörige zu behandeln, unterliegen aber insoweit den Visabefreiungen aus Anhang II EUVisaVO für Einreisen für Aufenthalte bis 90 in 180 Tagen und nach § 41 I AufenthV für darüber hinausgehende Aufenthalte.

Gesetz zur aktuellen Anpassung des FreizügG/EU

an das Unionsrecht vom 12.11.2020

BGBl. I 2416 vom 23.11.2020

In Kraft getreten am 24.11.2020 


Neuregelung des Anwendungsbereichs in § 1 FreizügG/EU


- Nr. 1 - EU-Staatsangehörige ausgenommen Deutsche 

- Nr. 2 Staatsangehörige der EWR-Staaten, soweit nicht EU-angehörig

- Nr. 3 Neu Staatsangehörige des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, soweit Rechte aus dem Austrittsabkommen bestehen

- Nr. 4 und Nr. 5 (drittstaatsangehörige) Familienangehörige und nahestehende Personen der unter Nr. 1 bis Nr. 3 genannten

- Nr. 6 Neu (drittstaatsangehörige) Familienangehörige und nahestehende Personen von deutschen Staatsangehörigen, soweit diese nach Art. 21 AEUV von ihrem Recht auf Freizügigkeit nachhaltig (nicht ausreichend: Dänemark-Ehe, s.u.) Gebrauch gemacht haben (s. auch § 12a FreizügG/EU)

   

Spezielle Brexit-Regelungen (§ 11 XI, XII, § 16 FreizügG/EU)

 

Neu § 1 II Nr. 5 FreizügG/EU Definition des Begriffs „Austrittsabkommen“

 

Das Austrittsabkommen ist das

Abkommen über den Austritt des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft, ABl.-EU C 384I/1 vom 12.11.2019 und ABl.-EU L 29/7 vom 31.01.2020 (Austrittsabkommen)

In Kraft getreten 01.02.2020

Bekanntmachung vom 25.02.2020, BGBl. I 316 vom 05.03.2020


Britische Staatsangehörige sind die in Art. 2d Austrittsabkommen Genannten.

 

. § 16 I Satz 1 Antragsfreies und genehmigungsfreies Ausüben des Einreise- und Aufenthaltsrechts nach Teil Zwei Titel II Kapitel 1 des Austrittsabkommens

- § 16 II Satz 1 Aufenthaltsdokument-GB iSv Art. 18 IV Austrittsabkommen (Anlage D 14a AufenthV, Aufdruck „Art. 18 (4) Austrittsabkommen“)

- § 16 III Aufenthaltsdokument für Grenzgänger-GB nach Teil Zwei Titel II Kapitel 2 des Austrittsabkommens (Anlage D 14a AufenthV, Aufdruck „Art. 26 Austrittsabkommen“)

 

Die Regelungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Britische Staatsangehörige, die bis 31.12.2020 ihr Recht auf Freizügigkeit in Anspruch genommen haben, haben über den Jahreswechsel 2020 / 2021 hinaus und damit seit 01.01.2021 weiterhin dieselben Rechte wie vor dem Austritt, ohne dass ein Antrag erforderlich ist (§ 16 I FreizügG/EU). Der Aufenthalt ist bis 30.06.2021 der örtlich zuständigen Ausländerbehörde anzuzeigen, diese stellt das Aufenthaltsdokument-GB aus (§ 16 II FreizügG/EU).

Grenzgänger iSv. Art. 9 b) Austrittsabkommen ist, wer in einem oder mehreren Staaten, in denen kein Wohnsitz besteht, eine wirtschaftliche Tätigkeit nach Art. 45 oder 49 AEUV ausübt (als Arbeitnehmer oder im Rahmen einer selbständigen Tätigkeit). Für diese wird gem. § 16 III FreizügG/EU das Aufenthaltsdokument für Grenzgänger-GB ausgestellt.


Entsprechende Anwendung des FreizügG/EU auf britische Staatsangehörige


§ 11 XI Entsprechende Anwendung des findet § 3a FreizügG/EU auf nahestehende Personen

§ 11 XII Entsprechende Anwendung der §§ 6, 7 nach Art. 20 Austrittsabkommen


Einführung der neuen Aufenthaltsdokumente-GB

Achtzehnte Verordnung zur Änderung der AufenthV

BGBl. I 2606 vom 03.12.2020


In Kraft getreten 04.12.2020


Aufnahme folgender Dokumente in Anlage D 14a AufenthV

- Aufenthaltsdokument-GB (§ 16 II FreizügG/EU)

- Aufenthaltsdokument für Grenzgänger-GB (§ 16 III FreizügG/EU)

Musterabbildungen: Anlage D14a AufenthV


Einführungen von Visa-Befreiungen für britische Staatsangehörige, die als Drittstaatsangehörige zu behandeln sind


Britische Staatsangehörige, die keine Rechte aus dem Austrittsabkommen herleiten können, sind Drittstaatsangehörige und unterliegen den Einreisevoraussetzungen des Art. 6 I a)-e) VO (EU) 2016/399 (SGK) und sind von der Visumpflicht befreit nach Anhang II VO (EU) 2018/1806 (EUVisaVO) und § 41 I AufenthV.

Zweite Verordnung zur Änderung der BeschV und der AufenthV

BGBl. I 3046 vom 23.12.2020

In Kraft getreten 01.01.2021


Erweiterung der Listung in § 41 I AufenthV (visafreie Einreise für einen geplanten Aufenthalt über 90 in 180 Tagen): Aufnahme des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland an vorletzter Stelle vor den USA


Änderung EUVisaVO durch die

Verordnung (EU) 2019/592 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10.04.2019 zur Änderung der Verordnung (EU) 2018/1806 zur Aufstellung der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige beim Überschreiten der Außengrenzen im Besitz eines Visums sein müssen, sowie der Liste der Drittländer, deren Staatsangehörige von dieser Visumpflicht befreit sind, angesichts des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Union

ABl.-EU L 103 I/1 vom 12.04.2019


In Kraft getreten 01.01.2021

 

Erweiterung der Listung in Anhang II Teil 1 (visafreie Einreise für einen geplanten Aufenthalt bis 90 in 180 Tagen)

Aufnahme des Vereinigten Königreichs (mit Ausnahme der in Teil 3 genannten britischen Staatsangehörigen) in Anhang II

 

Anhang II Teil 3 hat den Titel „Britische Staatsangehörige, die nicht britische Bürger sind“. Die Gruppe „Bürger der britischen Überseegebiete (British Overseas Territories Citizens)“ wird ergänzt um den Satz: „Diese Gebiete umfassen Anguilla, Bermuda, das Britische Antarktis-Territorium, das Britische Territorium im Indischen Ozean, die Britischen Jungferninseln, die Kaimaninseln, die Falklandinseln, die Kolonie Gibraltar (mit Zusatz: „Gibraltar ist eine Kolonie der britischen Krone. Es gibt einen Streit zwischen Spanien und dem Vereinigten Königreich über die Souveränität über Gibraltar, ein Gebiet, für das im Lichte der einschlägigen Resolutionen und Beschlüsse der Generalversammlung der Vereinten Nationen eine Lösung gefunden werden muss.“), Montserrat, die Pitcairninseln, St. Helena, Ascension und Tristan de Cunha, Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln und die Turks- und Caicosinseln.


2. Erschleichen eines Aufenthaltsdokuments

nach dem FreizügG/EU


Das Erschleichen eines Aufenthaltstitels nach § 95 II Nr. 2 AufenthG bezieht sich nur auf Aufenthaltstitel iSv. § 4 I Nr. 2 AufenthG. Für Aufenthaltskarten u.a. Dokumente nach dem FreizügG/EU gilt § 9 I Freizügg/EU.

 

Das Erschleichen eines Aufenthaltsdokumentes nach § 9 I FreizüG/EU bezieht sich mit Einführung der neuen Dokumente nach § 16 II und § 16 III FreizügG/EU auf folgende Tatobjekte

 

Aufenthaltskarte (§ 5 I und § 5 VII FreizügG/EU, Anlage D 14a AufenthV)

Daueraufenthaltskarte (§ 5 V S. 2 FreizügG/EU, Anlage D 14a AufenthV)

Bescheinigung über das Daueraufenthaltsrecht (§ 5 V S. 1 FreizügG/EU, Anlage D 15 AufenthV)

Aufenthaltsdokument-GB (§ 16 II FreizügG/EU, Anlage D 14a AufenthV)

 Aufenthaltsdokument für Grenzgänger-GB (§ 16 III FreizügG/EU, Anlage D 14a AufenthV) 


3. FreizügG/EU jetzt auch auf

Rückkehrfälle anwendbar


Das FreizügG/EU gilt jetzt auch für die drittstaatsangehörigen Familienangehörigen und nahestehenden Personen von deutschen Staatsangehörigen, soweit diese nach Art. 21 AEUV von ihrem Recht auf Freizügigkeit nachhaltig Gebrauch gemacht haben (§ 1 I Nr. 6, § 12a FreizügG/EU), d.h. also in „Rückkehrfällen“. Kein Rückkehrfall liegt vor im Falle fehlender Nachhaltigkeit des Gebrauchs (Tourismus, "Dänemark-Ehe"). Die Neuregelung greift daher die bisherige Auslegung durch EuGH und BVerwG auf.


Unverändert ist das FreizügG/EU nicht auf Deutsche anwendbar (vgl. Begriff des Unionsstaatsangehörigen in § 1 II Nr. 1 FreizügG/EU neuer Fassung vom 12.11.2020 bzw § 1 FreizügG/EU alter Fassung - Staatsangehörige anderer EU-Staaten).

Damit fallen auch drittstaatsangehörige Familienangehörige deutscher Staatsangehöriger grundsätzlich nur unter den regulären Familiennachzug nach dem AufenthG, solange der Lebensmittelpunkt und ständige Aufenthaltsort im Inland liegt. Nur in Rückkehrfällen - also wenn deutsche Staatsangehörige nach nachhaltiger Ausübung des Freizügigkeitsrechts im EU-Ausland zusammen mit einem drittstaatsangehörigen Familienangehörigen ins Inland zurückkehren - findet das FreizügG/EU in der neuen Fassung nach § 1 I Nr. 6 und § 12a FreizügG/EU Anwendung auf drittstaatsangehörige Familienangehörigen von deutschen Staatsangehörigen.


4. Aktualisierte Listung von Aufenthaltstiteln

der Schengen-Staaten


Von den Schengen-Staaten ausgestellte Aufenthaltstitel sind aktuell mitgeteilt in der

Aktualisierung der Liste von Aufenthaltstiteln

nach Art. 2 Nr. 16 VO (EU) 2016/399/SGK

(2021 / C 126/01)

ABl.-EU C 126/1 vom 12.04.2021


In der Aktualisierung vom 12.04.2021 sind die Aufenthaltstitel von 27 der 30 Schengen-Vollanwender- und Teilanwender-Staaten eingestellt.

Belgien

Dänemark

Deutschland

Estland

Finnland

Frankreich mit Monaco

Griechenland

Italien

Island

Kroatien

Lettland

Liechtenstein

Litauen

Luxemburg

Malta

Norwegen

Österreich

Polen

Portugal

Rumänien

Slowakei

Slowenien

Schweden

Schweiz

Tschechische Republik 

Ungarn

Republik Zypern

Die Abbildungen der Dokumente sind in der EU-Datenbank PRADO (Public Register of Authentic identity and travel Documents online) eingestellt. Das neue Design - in Deutschland seit November 2019 in Anwendung - ist bereits u.a. von Deutschland, Estland, Frankreich, Norwegen, Schweden und Zypern, aber noch nicht von allen Staaten eingestellt. 


5. Ausweisrecht


5.1 EU-Datenbank FADO


In dem Online-Register echter ID- und Reisedokumente PRADO (Public Register of Authentic Travel- and Identity Documents Online) macht die EU bereits echte Dokumente allgemein zugänglich. Ergänzend wurde auf Grundlage der Gemeinsamen Maßnahme 98/700/JI des Rates durch die

Verordnung (EU) 2020/493 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30.03.2020 über das System über echte und gefälschte Dolumente online,

ABl.-EU L 107/1 vom 06.04.2020


das Europäische Bildspeicherungssystem über gefälschte und echte Dokumente Online FADO (False and Authentic Documents Online) geschaffen. Zur Anpassung an den aktualisierten rechtlichen Rahmen wird die Gemeinsame Maßnahme 98/700/JI aufgehoben und FADO durch die VO (EU) 2020/493 geregelt. Die VO gilt

- unmittelbar für alle EU-Staaten mit Ausnahme von Dänemark

- und über nationale Umsetzung in Dänemark - falls nationale Umsetzung erklärt wird - sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und Schweiz.


FADO enthält Informationen über


Reisedokumente (Pass/Passersatz),

ID-Dokumente (z.B. ID-Card, Ausweisersatz),

Aufenthaltsdokumente (z.B. Visa, Aufenthaltstitel, Asylgestattungen),

Personenstandsurkunden,

Führerscheine und

Fahrzeugscheine,


die von den Mitgliedstaaten der EU oder der EU selbst ausgestellt werden, und über gefälschte Versionen dieser Dokumente (Art. 2 I UAbs. 1 der VO)..


FADO kann weiterhin Informationen enthalten über o.g. Dokumente, die von Dritten, insbesondere Drittstaaten, Gebietskörperschaften, internationalen Organisationen o.a, Völkerrechtssubjekten ausgestellt werden und über gefälschte Versionen dieser Dokumente (Art. 2 I UAbs. 2 der VO).


Gegenstand der Informationen sind u.a. Dokumentenbeschreibungen, Abbildungen, Muster und Sicherheitsmerkmale echter Dokumente und  Beschreibungen, Abbildungen und Fälschungsmerkmale bei verfälschten Dokumenten, Totalfälschungen oder Pseudodokumenten (Art. 2 II der VO). 


Zugang zu FADO erhalten u.a. (nur soweit für den Unterricht relevant)

- Polizeibehörden, Grenzschutzbehörden  (Art. 4 II der VO),

- die Allgemeinheit nur zu echten Dokumenten (Art. 4 III der VO),

- Luftverkehrsgesellschaften und andere Verkehrsunternehmen (Art. 4 III c) der VO).

Datenschutz durch ie Pseudonymisierung personenbezogener Daten sicher gestellt (Art. 5 I und Art. 5 II der VO).


5.2 Dokumentensicherheit


Neuregelungen im Pass- und Ausweiswesen finden sich in

Art. 1 und Art. 2 des Gesetzes zur Stärkung der Sicherheit

im Pass-, Ausweis und ausländerrechtlichen Dokumentenwesen vom 03.12.2020

BGBl. I 2744 vom 11.12.2020


In Kraft getreten am 12.12.2020


Änderungen seit 12.12.2020

 

Gem. § 5 II PassG ist der Kinderreisepass und gem. § 4 I Satz 5 AufenthV ein Passersatz für nichtdeutsche Kinder nicht mehr wie bisher sechs Jahre, sondern nur noch ein Jahr gültig.

 

Seit 12.12.2020 kann das Geschlecht des Passinhabers gem. § 4 I Satz 1 Nr. 6, Satz 4 PassG

in der Personaldatenseite mit den Angaben

F = „weiblich“,

M = „männlich“ und

X = „nicht weiblich und nicht männlich“

angegeben werden. In der maschinenlesbaren Zeile kann die entsprechende Stelle gem. § 4 II Satz 2 Nr. 8 PassG mit

F = „weiblich“,

M = „männlich“ und

˂ = „anderes Geschlecht“

angegeben werden. Eine vergleichbare Regelung für deutsche Passersatzdokumente für Ausländer findet sich in § 4 II Satz 1 Nr. 5 AufenthV.

 

§ 6a IIa Satz 2 PassG regelt die Vorlage des Nachweises nach § 45b PStG für Passanträge mit Abweichungen von dem in Personenstandeintrag angegebenen Geschlecht.

 

Ab 01.05.2025 wird das Lichtbild nach § 6 II Satz 3 PassG in der künftigen Fassung vom Passantragsteller entweder von einem Dienstleister elektronisch angefertigt und in einem sicheren Verfahren an die Passbehörde übermittelt oder von der Passbehörde angefertigt.


5.3 eID-Card


Neu eingeführt wurde die eID-Card für EU-/EWR-Staatsangehörige durch

Art. 1 und Art. 2 der Zweiten Verordnung zur Änderung der Passverordnung, der Personalausweisverordnung und der Personalausweisgebührenverordnung

BGBl. I 2199 vom 22.10.2020


In Kraft getreten am 01.01.2021


Mit Stand vom 01.01.2021 wurde die eID-Karte für nichtdeutsche EU-/EWR-Staatsangehörige eingeführt. Diese wird ausgestellt für

- andere EU-Staatsangehörige, also nicht für Deutsche, und

- Staatsangehörige der EWR-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen.

Die Regelung findet sich in §§ 36b, 36c PAuswV, das Dokumentenmuster in § 36d, Anhang 3a PAuswV


Weitere Regelung:


Seit 01.01.2021 sind Fluglizenzen und Flugbesatzungsausweise für Linien- und Charterflugpersonal durch Aufhebung von § 7 I Nr. 3 PassV keine Passersatzdokumente mehr.


5.4 Einführung ID-Nr. in Pass- und Ausweisregister


Neu eingeführt wird die Verwendung der Steuer-ID-Nr. nach § 139b AO durch das

Gesetz zur Einführung und Verwendung einer ID-Nr. in der öffentlichen Verwaltung und zur Änderung weiterer Gesetzes (Registermodernisierungsgesetz)

BGBl. I 591 vom 06.04.2021


In Krafttreten mit Bekanntgabe des Vorliegens der technischen Voraussetzungen durch das BMI im BGBl.


Die ID-Nr. (Steuer-ID nach § 139b AO) wird als zusätzliches Ordnungsmerkmal eingeführt u.a. in folgende Register nach § 1 I IDNrG, Anlage 1

- Nr. 1 - Melderegister

- Nr. 3 - AZR

- Nr. 10 - bei der BA geführte pers.-bez. Datenbestände nach SGB III

- Nr. 13 - eID-Karte-Register

- Nr. 21 - PAusw-Register

- Nr. 22 - Passgegister

- Nr. 27 - BZR

- Nr. 28 - Nationales Waffenregister


6. Waffenrecht


6.1 Neufassung EU-Waffenrichtlinie


Kodifizierte Fassung RL 91/477/EWG in der Fassung durch  RL 2008/51/EG und  RL (EU) 2017/853

Richtline (EU) 2021/555 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24.03.2021 über die Kontrolle des Erwerbs und des Besitzes von Waffen (kodifizierter Text)

ABl.-EU L 115/1 vom 06.04.2021


Inkrafttreten am 20. Tag nach Veröffentlichung.

Der Europäische Feuerwaffenpass (EFP) ist in Anhang II dargestellt.


6.2 Drittes Waffenrechtsänderungsgesetz


Aus Anlass der Umsetzung der EU-WaffenRL wurde erlassen:

Drittes WaffRÄndG vom 17.02.2020

BGBl. I 166 vom 19.02.2020


Inkrafttreten:

- Erweiterung Waffenverbotszonen 20.02.2020

- Abfrage Verfassungsschutzbehörden für WBK 20.02.2020

- Änderungen AufenthG 01.03.2020

- Umsetzung VO (EU) 2017/853 (EUWaffRL) 01.09.2020


Änderungen u.a.:


Art. 1 - Änderung des WaffG


Waffenrechtliche Erlaubnis allgemein

§ 4 IV WaffG - Regelmäßige Bedürfnisprüfung alle fünf Jahre

§ 4 V WaffG - In begründeten Einzelfällen kann das persönliche Erscheinen des Antragstellers oder Erlaubnisinhabers vor der Entscheidungsbehörde verlangt werden (Umsetzung Art. 5 I und Art. 5 II RL 91/477/EWG).

In Kraft getreten 20.02.2020.


Waffenbesitzkarte (WBK)

Nach § 5 V WaffG hat die für die WBK-Erteilung zuständige Behörde im Rahmen der Zuverlässigkeitsprüfung nach § 5 WaffG neben einer BZR-Auskunft auch

- eine Stellungnahme der für den Antragsteller zuständigen Polizeibehörde und

- eine Auskunft der für den Antragsteller zuständigen Verfassungsschutzbehörde einzuholen.

In Kraft getreten 20.02.2020.


Waffenverbotszonen (WVZ)

Erweiterung der VO-Ermächtigung um § 42 VI WaffG - über kriminogene Plätze hinaus können WVZ auch für

- öffentliche Straßen, Wege und Plätze, auf denen Menschenansammlungen auftreten können,

- Verkehrseinrichtungen, Einkaufszentren, Veranstaltungsorten o.a. Gebäuden mit öffentlichem Verkehr,

- angrenzenden öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen

- sowie in Jugend- und Bildungseinrichtungen

eingerichtet werden.

Gegenstand des Verbotes: Führen (Anlage 1 Abschnitt 2 Nr. 4 WaffG) von

- Waffen (§ 1 II, Anlage 1 Nr. 1 WaffG) und

- Messern mit feststehender oder feststellbarer Klinge über vier cm Länge.

Ausnahmen sind vorgesehen.

In Kraft getreten 20.02.2020.


Änderung der Straftatbestände §§ 51, 52 WaffG

In § 51 I WaffG wird der bisherige - nicht mehr aktuelle - Verweis auf Anlage 2 A 1 Nr. 1.2.1 präzisiert auf

- Nr. 1.2.1.1 (Vollautomaten iSv. Anlage 1 A 1 UA 1 Nr. 2.2) und

- Nr. 1.2.1.2 (Vorderschaftsrepetierflinten mit Kurzwaffengriff anstelle des Hinterschaftes oder Waffengesamtlänge in kürzester Verwendungsform weniger als 95 cm oder Lauflänge weniger als 45 cm).

In § 51 I und 52 I wird der bisherige Bezug auf § 2 I WaffG (Altersgrenze) gestrichen.

In Kraft getreten 20.02.2020.


Umsetzung EUWaffRL - RL (EU) 2017/853


Neufassung §§ 29, 30, 32, 33 WaffG (Verbringen und Mitnahme) und

Änderung Anlage 1 Abschnitt 3 WaffG 

Anpassung der bisherigen Waffen-Kategorien A bis D nach der RL 91/477/EWG an die Neufassung der Waffen-Kategorien A bis C nach der RL (EU) 2017/853

§ 29 I WaffG erfasst alle erlaubnispflichtigen Schusswaffen.

- § 29 II WaffG erfasst nur Feuerwaffen nach der RL 91/477/EWG idF der RL (EU) 2017/853, also in die in Anlage 1 Abschnitt 3 WaffG gelisteten Schusswaffen.

- Anlage 1 Abschnitt 3 WaffG: Neufassung der Kategorien B und C und Streichen der Kategorie D auf Grund der Regelung der RL (EU) 2017/853

 - Anlage 2 A 1: Einführung der Nr. 1.2.4.3 bis 1.2.4.5 für Wechselmagazine und Magazingehäuse für Wechselmagazine in Umsetzung des Verbotes von Wechselmagazinen mit einer Kapazität von mehr als 20 Patronen (Kurzwaffen) bzw. mehr als zehn Patronen (Langwaffen). Kein Verweis in § 52 III Nr. 1 WaffG, um die Umsetzung der RL (EU) 2017/853 schonend für die Betr. umzusetzen und weil von diesen Gegenständen unmittelbar keine Gefahr ausgeht (Amtl. Begründung, BT-Ds. 19/13839, S. 90).

In Kraft getreten 01.09.2020


Art. 2 - Änderung des Beschussgesetzes

Art. 3 - Gesetz über das Nationale Waffenregister (WaffRG)

In Kraft getreten 01.09.2020


Stand 12.04.2021